2. Etappe: von großen Glücksgefühlen und tiefen Zweifeln

Für heute ist ein Wetterumschwung angekündigt. In Ischgl aber weckt uns erstmal der schönste Sonnenschein. Der Tag beginnt mit einer herrlichen Gondelfahrt rauf aufs Idjoch. Jaaaa, eine Gondel. Aber über 1500 Höhenmeter durch ein planiertes Skigebiet raubt nur unnötig Kräfte. Die aber brauchen wir gleich für das Schmakerl des Tages.

Ausgeschlafen und gut erholt stürzen wir uns gleich zu Beginn dieses Tages in ganz zauberhafte Trails. Diese führen uns über zahlreiche Kurven ganz geschmeidig immer weiter runter. So hässlich ein Skigebiet im Sommer auch ist, mit solchen angelegten Trails lässt sich das durchaus verkraften. Die Mädchen quietschen vor Verzückung in jeder Kurve. Mal ist ein bisschen viel Schotter unterwegs, dann aber fangen uns perfekte Anliegerkurven wieder auf. Unten angekommen, wollen wir eigentlich gleich wieder die Gondel hoch nehmen.

Leider kommt die Gruppe nicht ganz unbeschadet ins Tal. Gleich zu Beginn steigt Sandra unfreiwillig über der Lenker ab. Stefan nimmt auch unfreiwillig eine Bodenprobe. Und zuletzt stürzt sogar unser Guide Martin. Zeigt uns, dass es jeden egal wann egal wo schmeißen kann und man einfach saumäßig aufpassen muss. Wir sind froh und dankbar, dass wir heute unbeschadet runter kommen.

Bolo geht immer

Mittags erwartet unsere Gruppe eine Riesen Portion Bolognese. Nur für uns und frisch gemacht. Herrlich. Kaum vorstellbar, dass wir die heutigen Höhenmeter noch nicht mal ansatzweise abgearbeitet haben…

Genau das wird uns zum Verhängnis. Zunächst an der Straße entlang bei fiesem Gegenwind. Wir passieren die Grenze. Welche eigentlich? Länderhopping vom Feinsten. Heute waren wir schon in Österreich, dann in der Schweiz. Wieder Österreich. Schweiz. Etappenziel in Österreich. Morgen Italien. Am Himmel türmen sich langsam die Vorboten des angekündigten Wettersturzes auf. Wir erhöhen das Tempo. Die Asphaltstraße war rückblickend noch das kleinere Übel.

Schnauf-Trap-Trap-Schnauf-Trap-Trap

Wir setzen an zu unseren letzten 500 Höhenmetern. Eigentlich kein großes Ding. Aber irgendwie ist unterwegs die Energie ausgegangen. Wir schlängeln uns über feinen Schotter, über nicht enden wollende Serpentinen immer weiter rauf. Ich schnaufe. Mein Atem geht im Takt der Pedale. Das Herzerl hämmert am Anschlag. Schneller atmen. Schneller Pedalieren. Die Kehle ist trocken. Immer wieder diese Bolognese. Irgendwie werde ich von allen überholt. Melli und ich bilden das Schlusslicht. Bravo. Nicht mal die dunklen Wolken am Himmel können uns antreiben. Dann auch noch ein Tunnel. Tiefschwarz. WTF. Man wartet zwar kurz auf uns aber dann jagen alle Nico mit dem einzigen Licht hinterher. Schnell wird es dunkel um uns. Erstaunlich, wie schwer es ist das Gleichgewicht zu halten, wenn man nichts sieht…

Irgendwann ist es zu Ende. Eine kurze Abfahrt und wir sind in Nauders. Vier Sterne. Kuchenbüffet. Sauna. Essen. Aus.

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